Tron 1.001: You can’t get there from here.

Ich sollte mein erstes deutschsprachiges Blog seit vielen Jahren vielleicht nicht unbedingt mit einem Verriss eröffnen. Aber ich kann nicht anders: Auch Zorn braucht Luft, und Enttäuschung sowieso.

Natürlich: Ich wollte sehr viel von Tron: Legacy. Selbst in dem Moment, wo man sich ironische Distanz verspricht, hüpft ja der innere Fünfzehnjährige doch voller Vorfreude auf seinem Sessel auf und ab wie ein Koffein-Flummi.

Aber zwei Stunden später bleibt leider nur ein flauer Nachgeschmack – so, als hätte jemand Sushi aufgewärmt, was ja nun aus mehreren Gründen keine gute Idee ist.

Ich habe heute Abend viele Versatzstücke aus 30 Jahren Science-Fiction-Kino gesehen und diese auch brav auf meiner inneren Filmnerd-Liste abgehakt. Man will seine schlechte Laune ja später klug unterpolstern können.

Aber da war keine Linie, der zu folgen sich gelohnt hätte, kein Twist, der einem den Kopf um 360° verdrehte, kein einziger „Wow!“-Moment.

Warum nicht?

Erstens sind wir älteren Voll- und Halbnerds nicht mehr minderjährig (und entsprechend schwerer zu beeindrucken), zweitens sind viele Jahre Film- und CGI-Geschichte vorbeigegangen. Da hätte man nicht nur „patchen“, sondern ästhetisch und konzeptionell upgraden müssen. Was eben nicht geschehen ist.

Der alte „Tron“-Film hat mich als Kind besoffen gemacht vor Glück: Eine neue Welt tat sich auf; ein (zugegebenermaßen eher an Fantasy als Science Fact orientierter) Nährboden für das zukünftige Interesse an Cyberpunk, digitalen Medien und Transhumanismus (Stichwort „Uploading“) sog sich damals voll mit jugendlichem Adrenalin. Vor neuen Ideen triefende Bücher wie „Neuromancer“, „Snow Crash“ und praktisch alles aus der Feder von Bruce Sterling und Greg Egan fielen später auf eben diesen Boden und verhinderten, dass ich jemals etwas wirklich Nützliches lernte.

All diese verbotenen und dubiosen Knollen und Kräuter jedoch kann man im Jahr 2011 nicht einfach nur aufwärmen und sich davon Hochgenuss versprechen. Es hätte einer neuen Rezeptur bedurft.

Stattdessen köchelt Disney – im Sinne der Breitenwirkung bei Hipstern und visuell verwöhnten Kids – ein Süppchen aus Daft Punk (die ich vor etwa fünf Jahren wirklich progressiv fand) und dem Dude (den selbstverständlich jedermann zu Recht verehrt), verrührt mit einer, sagen wir es vorsichtig, lustlos modernisierten Neon-Ästhetik – eine Komposition, in der ich weder Fisch noch Fleisch finde. Nicht mal als Zen-Veganer wird man mit dem schaumgebremsten Zausel Flynn froh.

A bisserl Zivilisationskritik, etwas Techno-Melancholie, ein paar pseudomythologische Versatzstücke à la Matrix 2/3: fertig; und nun runter damit, liebe Leute. Vergesst auch nicht, am Ausgang das Spiel zu kaufen und Euch für die 3D-Blu-Ray vormerken zu lassen!

Näh.

Was hier fehlte, war das Salz in der Suppe: Humor, vielleicht sogar Selbstironie (Bridges’ vorhersehbare „Far out, Man“-Momente zählen nicht; das war dann doch ein bisschen zu narzisstisch. Going for the Hippie Dollar; wie Bill Hicks wohl gesagt hätte).

Aber was soll’s. Die Kids werden sich das bunte Spektakel reinziehen, über die alten Männer lachen, sich über die hübschen, in Latex eingenähten Körper der leider eher talentfreien Nachwuchsdarsteller freuen (Wo ist Ellen Page? Hier hätte sie wirklich glänzen können!) – und das Ganze schon lange vergessen haben, wenn sie zu Hause ins Bett fallen.

Hier wurde eine Chance vertan; für alte wie neue Fans.

Nächster Halt: Mona Lisa Overdrive, the Movie.

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