The Opiates

Der Gedanke, dass man sich Musik aus dem Internet beschaffen kann, ohne etwas dafür zu bezahlen, ist mir natürlich zumindest als theoretisches Konstrukt nicht fremd.

Im Fall des Albums „The Opiates – Revised“ von Thomas Feiner ist das absolut unmöglich.

Dieses Album muss man erwerben. Man muss es kaufen, so, wie wir früher, als Teenager, Schallplatten kauften, besorgt durch den Novemberregen nach Hause trugen, vorsichtig aus lackierten Papphüllen zogen und dann andächtig hörten; sitzen, still, ein Mal, vielleicht  zwei Mal, aber sicher kein drittes Mal am selben Tag, denn selbstverständlich wusste man, dass die Nadel, die den Genuss brachte, gleichzeitig den kostbaren Tonträger zerstörte.

Nun also: The Opiates. Ein Album, zu dem bereits viel gesagt worden ist.

Schöneres wurde selten aufgenommen.

Thomas Feiner, den Schöpfer dieser fragilen, lavaschwarzen Tongebilde, stelle ich mir als einen großen, vornehmlich schweigenden, oft am Meer spazieren gehenden Skandinavier vor (eines der wenigen von ihm existierenden Bilder legt derlei nahe – auf dem Cover des Albums sehen wir nicht den Sänger, sondern Jean Cocteau), dessen Innenwelten größer, grandioser, düsterer sind als alles, was sich in den dunkelsten Tälern und konturlosen Wüsten solch profaner Planeten wie unserer Erde findet. Er flaniert viel am Strand, in einem wehenden, anthrazitgrauen Mantel, und wenn man ihn anspricht, hält er nur kurz inne, wortlos, um dann stirnrunzelnd weiterzugehen.

Also: The Opiates. Kaufen, nicht raubkopieren, weil nämlich sonst irgendwo weit draußen auf See noch ein Meerschaummädchen an gebrochenem Herzen stirbt. Hören. Beweinen. Weiterempfehlen.

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