Nicht beschützt werden wollen.

Ursula von der Leyen hat (nachdem es ihr nicht so recht gelang, aus .de mit Stoppschildern ein schöneres Land zu machen und auch andere Zielgruppen sich mit einer gewissen Hartnäckigkeit gegen Supernanny-Umarmungen zur Wehr setzen) ein neues Betätigungsfeld für sich entdeckt: Die Selbstständigen sollen vor dem grauenvollen Elend, das hinter jeder Ecke lauert (unternehmerische Risiken! Verarmen! Älter werden! ) nun mit staatlicher Unterstützung geschützt werden. Einzahlen dürfen wir natürlich selbst (in ein System, dessen Grenzen auch ohne dieses von praktisch niemandem gewollte add-on schon überdeutlich sind), für den erforderlichen pädagogischen Druck auf die schwer einzuherdenden Kätzchen sorgt jedoch gerne der Gesetzgeber.

Man bedenke, wer voraussichtlich schon im nächsten Jahr diese Totgeburt auf den Weg bringen wird: Menschen, die nach ihrer politischen Laufbahn eine schöne staatliche Pension erhalten werden – im Zweifelsfall, ohne je einen Cent in die Rentenversicherung eingezahlt zu haben. Hier erklärt wieder einmal der Papst dem Volk, was im Bett zu laufen hat.

Reality Check. Es gibt Selbstständige, denen das Geld aus den nach Veilchen duftenden Kopfkissen ihrer Zweityacht quillt – um die muss und will sich niemand Gedanken machen. Es gibt weiterhin einen Mittelbau, bei dem es vermutlich auch deswegen gut läuft, weil die Betreffenden auch ohne permanente staatliche Intervention ganz gut planen, rechnen und wirtschaften können.

Und dann gibt es noch kreatives und digitales Prekariat sowie junge Pflänzchen, die oft (wie auch ich vor beinahe einem Vierteljahrhundert) vor einer sehr schweren Entscheidung stehen: Soll ich mich unter die Fittiche eines Unternehmens, einer Großorganisation, des Staates begeben … oder versuche ich mein Glück alleine, auf eigenes Risiko?

In dieser Situation kann es auf jeden Cent ankommen. Belastungen von mehreren hundert Euro in Form einer „Flatrate-Zwangsrentenversicherung“, deren Nutzen viele Jahrzehnte in der Zukunft liegt (wenn dann überhaupt noch etwas von der Adenauerschen Fehlkonstruktion „Kinder kriegen die Leute immer“ übrig ist), könnten für manchen Unternehmensgründer in spe bedeuten, dass er es lieber bleiben lässt.

Aber vielleicht geht es ja auch darum. Frau von der Leyen hat mit ihren politischen Aktivitäten immer wieder gezeigt, dass sie das Individuum (ob dieses nun im Internet surft, arm ist oder blöde genug, sich in einem tendenziell gründerfeindlichen Land selbstständig zu machen) schlussendlich nicht für voll nimmt. Es muss beschützt werden, im Zweifelsfall vor sich selbst – seiner Dummheit, seinen irrationalen Impulsen, seiner finanziellen Inkompetenz und seinen sexuellen Abgründen (beziehungsweise entsprechenden Projektionen saturierter Internetausdrucker). Die zusammengefasste Botschaft lautet: Gebt auf. Ich werde für euch entscheiden. Ihr müsst nur zahlen und endlich still halten.

So wenig das Frau von der Leyen interessieren wird, ich möchte es dennoch gerne loswerden: Ich will nicht in einem Land leben, dessen Regierung sich zumindest in Teilen insgeheim für die Geschäftsführung eines riesigen Kindergartens hält. Aber auch daran kann man ja vielleicht etwas ändern.

Wann wird doch gleich gewählt? Richtig, in 2013. Und es soll da ja seit kurzem Alternativen zum paternalistischen 24/7-Betreuungsmodell geben.

Hier kann unterzeichnen, wer findet, dass „selbstständig sein“ auch in Zukunft genau das heißen soll: ständig selbst am Ball, und nicht an der kurzen Leine eines Systems, das sich im wahrsten Sinne überlebt hat.

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